Es wurd' Zeit

Energiesparvampir

Wenn es dunkel wird, wenn alle fleißigen Studenten ihre Sachen packen und die Bibliothek verlassen, um sich einen netten Feierabend zu machen… dann wird es Zeit für mich.

Ich packe den Schönfelder in die Tasche, und die Schokolade (nicht zu vergessen), und ziehe los! Los in die Bibliothek, um den einsamen Seelen dort Angst und Schrecken einzujagen!

Nebenbei schalte ich Leselampen an verlassenen Leseplätzen aus. Unnötiges Licht mag ich nämlich nicht. Ich bin der Energiesparvampir!

Saturday Night, …right?

Es ist 22.22 an einem Samstag Abend vor dem 2. Advent. Es ist Zeit.

Zeit für einen Blog.

Zeit, um das zu sagen, was jemand wie ich zu sagen hat. Jemand, der kurz davor steht…kurz vor der Zäsur seines Lebens. Vor kurzem war er noch wie eine alte Jungfer, die man fragte, wann es denn endlich bei ihr soweit sein würde, wann sie denn den Schritt wagen würde, ob sie nicht denke, dass es langsam Zeit werde. Nun steht ein Termin. Und nun wird er von allen Seiten beglückwünscht! Mit jeder Frage nach dem Termin muss er die Tage bis dahin neu ausrechnen. Mit jeder Rechnung steigt exponentiell der Respekt. So nennt man ja heutzutage die Angst. Die Angst vor ihm. Ihm? Er…

Errr,  ist der Endgegner. Er hat kein Gesicht, keine 10 Köpfe und 20 Hände, und läuft auch nicht mit einer Sense rum. Nein, das alles braucht er nicht. Denn er trägt einen Namen, der alles nötige erledigt, der fürs Ohr wie nach – Exekution – klingt und dem Betroffenen beim Aussprechen auch so schwer über die Lippen geht wie eine Exekution leicht über die Bühne. Er frisst dein Gehirn in 6 Tagen auf und verdaut es genüsslich in 3-4 Monaten. Was die Sache noch verrückter macht: Du kannst nur hoffen, dass ihm dein Gehirn schmeckt. Denn wenn nicht, wenn nicht ist alles…….sorry, hierüber kann jemand wie ich gar nicht nachdenken. Der mittlerweile zum Schutz gegen endgültige Verzweiflung und unumkehrbare Selbstverleugnung eingebaute Schutzmechanismus verbietet es. Also was passiert, wenn ihm dein Gehirn geschmeckt hat? Dann kommt die Endabrechnung! In den 3-4 Monaten hattest du natürlich Zeit, wieder etwas Gehirnmasse anzuhäufen. Tja, das ist sein Nachtisch. Richtig, auch das muss ihm schmecken. Sonst…..richtig, error weil Schutzmechanismus.

Kommen wir zurück zu 22.22 Uhr. Bzw. mittlerweile 22.42. Was mache ich hier? Hier, ist eine JURA-Bibliothek. Der Rest erklärt sich hoffentlich von selbst. Ja, das Seaatsexamtn. Das müsstet ihr lesen können. Ich möchte das Wort ungern richtig schreiben. Es tut im Auge weh.

Damit kommen wir zum zweiten inneren Schutzmechanismus. Dieser verhindert, dass ich das alles um mich herum wahrlich realisiere, dieses grausame, unzweckmäßige, längst überholte Prüfungssystem. Als “geistige Bulimie” hat ein weiser Mensch dieses Insichhineinfressen von Wissen, um es zu einem bestimmten Termin auszukotzen, bezeichnet. Dem stimme ich vollkommen zu. Nachdem ich nun geistige Bulimie habe und zur unverheirateten Jungfer wurde, und in der Zwischenzeit alles Erdenkliche versucht habe, um nicht das zu machen, was jemand wie ich machen muss,

…wurde es also Zeit. Zeit für die Anmeldung.

Nun bin ich verheirat…sorry…angemeldet, und alle wünschen mir Glück. Was denkt ihr euch eigentlich?? Hat schonmal jemand einem Exekutionskandidaten Glück gewünscht? Dann wünscht bitte auch keinem Examenskandidaten Glück! Wenn ihr einen seht, in der Bibliothek, auf der Straße, im Internet als Blogautor oder so, sagt ihm einfach nur {hmm keine Ahnung, lasst mich nachdenken}, sagt ihm, dass es das alles gar nicht gibt. Dass das alles nur ein Spiel ist…ala Matrix. Und dass er diese Pille da schlucken muss. Verwirrt ihn aber bitte nicht mit der Farbe der Pille. Und wünscht ihm nicht Glück, dass das funktioniert mit der Pille. Schreibt ihm doch einfach einen netten Kommentar auf seinem Blog!

So, danke für die Aufmerksamkeit. Jetzt wird es wieder Zeit. Zeit zum Weiterlernen.

 

 

PS: Der Vergleich mit einer Exekution ist nicht ernst gemeint.

PPS: Witzig, dass man sich beim Schreiben durch vorbeigehende und möglicherweise über die Schulter schauende Bibliotheksnutzer beobachtet und eingeschränkt fühlt, während man doch gerade dabei ist, seine Gedanken an jeden im Internet rauszuhauen.

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